14.08.10 12:23 Alter: 25 days
Jahrestag des verheerenden Attentats auf Sinjar (14.08.2007)
Jahrestag des verheerenden Attentats auf Sinjar (14.08.2007) – Die Opfer warten immer noch auf Hilfe
Yezidi in Deutschland und in der ganzen Welt gedenken am kommendenSonnabend der Opfer des furchtbaren Attentates von Sinjar im Nordwesten
des Irak, bei dem vor einem Jahr 336 Yeziden getötet und 1000 Familien
obdachlos wurden. Die yezidischen Gemeinden, die die Gedenkveranstaltung
organisieren, beklagen, dass die Opfer des Terrors bis heute nicht die
notwendige Hilfe erhalten haben.
Um das Siedlungsgebiet der kurdischen Yeziden im Sinjargebirge wird
zwischen der arabischen Zentralregierung in Bagdad und der kurdischen
autonomen Regierung in Arbil gestritten. Dies könnte eine Erklärung
dafür sein, warum Sinjar bis heute keine wirkliche Hilfe erhalten kann.
Bei dem Anschlag am 14. August 2007 waren zwei yezidische Wohnsiedlungen
komplett zerstört worden. Muslimische Terroristen hatten mehrere LKW,
darunter auch einen als Wasserwagen getarnten Benzintankwagen, mit
Sprengstoff beladen, in die beiden Ortschaften gefahren und zeitgleich
zur Explosion gebracht.
Die Yeziden bilden unter den mehrheitlich muslimischen Kurden eine
religiöse Minderheit. Sie bilden eine Jahrtausende alte nahöstliche
nichtchristliche und nichtislamische Glaubensgemeinschaft und sprechen
die Kurmanci-Variante des Kurdischen. Ihre Gesamtzahl wird nach Angaben
der Gesellschaft für bedrohte Völker auf rund 800.000 Angehörige im
Nahen Osten und der europäischen Diaspora geschätzt. Ihr
Hauptsiedlungsgebiet liegt im Nordirak. Hier leben etwa 550.000 Yeziden.
In Armenien leben rund 18.000 Yeziden, in Syrien etwa 5000 und in
Georgien noch 1.200. Die rund 50.000 Yeziden in Deutschland kamen meist
als Religionsflüchtlinge aus der Türkei. Dort wird ihre Zahl heute auf
etwas mehr als 400 geschätzt.
In der nordwestirakischen Bergregion Sinjar stellen die Yeziden mit etwa
400.000 Angehörigen rund 80 % der Bevölkerung. Die Straßen, die aus der
Provinz Mosul in diese nordwestirakische Bergregion führen, sind meist
blockiert oder nur unter Lebensgefahr passierbar. Die einzige, bisher
einigermaßen sichere Verbindungslinie verläuft über Dohuk und Al-Rabia.
Doch auch hier drohen islamistische Terroristen immer häufiger mit
Angriffen.
In der Provinz Niniveh, in der auch die Bergregion Sinjar liegt, gab es
in jüngster Zeit mehrere Anschläge auf Kurden (Muslime und Yeziden),
Turkmenen, Shabak und christliche Assyro-Chaldäer. Die GfbV warnt immer
wieder davor, dass der islamistische und arabisch-nationalistische
Terror in dieser multiethnischen und multireligiösen Provinz einen neuen
Bürgerkrieg anzetteln will. Die irakische Zentralregierung in Bagdad und
die regierende arabische Alhadbaa-Fraktion in Mosul instrumentalisiert
den Terror, um arabisch-irakische Truppen in die zwischen Kurden und
Arabern umstrittenen Gebiete zu verlegen, in denen eine Mehrheit den
Anschluss an den Bundesstaat Kurdistan befürwortet. Diese Truppen sind
oft von Terroristen unterwandert, wie die Erfahrung aus Bagdad zeigt.
Deshalb sind sie ein großes Risiko für Kurdistan. Viele Offiziere der
alten irakischen Armee von Saddam Hussein sind wieder im Dienst. Das
friedliche Irakisch-Kurdistan ist ihnen als Anhänger des alten
totalitären Regimes, das für den Völkermord an den Kurden mit mindestens
500.000 Toten verantwortlich war, ein Dorn im Auge.
Die GfbV fordert eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit der Region
Sinjar, dem Hauptsiedlungsgebiet der Yeziden.
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