
- Tawus Symbol
Das Ezidentum ist eine der ältesten Religionen der Welt. Die Wurzeln dieser monotheistischen Religion reichen von ca. 2000 bis 2500 jahren vor Christus, in die Zeit des Mithraismus. Diese uralte Religion, entstanden im Herzen Mesopotamiens, eine Wiege unserer Zivilisation, ist wenig erforscht und wird teils bewusst immer noch fehlinterpretiert.
Das Ezidentum ist nicht nur eine Religion, es gilt auch als urkurdische Kultur und Lebensphilosophie. Es beinhaltet Respekt, Toleranz, Humanismus und Frieden unter den Menschen dieser Erde. So gibt es unter den Vogelsymbolen im Ezidentum kein Symbol für Aggressivität, weder Adler noch Falke. Dies wird auch sichtbar an zentralen Symbolen (Sanjak) wie Pfau, Taube, Hahn.
Der Verzicht des Ezidentums auf Missionierung benachbarter Völker setzte es in die glückliche Lage keine Angriffskriege mit religiöser Begründung führen zu müssen. Aus einem ähnlichen Grund exsistiert neben Gott kein gleichgestelltes böses Prinzip. Eziden können deshalb auf eine entsprechende Benennung verzichten.
Die Eziden sind von ihrer Volkszugehörigkeit Kurden. Ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete erstrecken sich über das gesamte Kurdistan, das nach dem Ersten Weltkrieg auf die Länder Türkei, Syrien, Irak und Iran aufgeteilt wurde. Erstmals konnte nach der Zerschlagung der Republik von Mahabad im Jahre 1947 im heutigen föderalen Irak eine kurdische Regionalregierung aufgebaut werden. Das Bundesland Kurdistan hat ein eigenes Parlament, dem auch EzidInnen angehören und berät zur Zeit die erste eigene kurdische Verfassung. Auf dem jetzigen Territorium der Region Kurdistan im föderalen Irak leben jedoch nur 10% der Eziden des Irak. 90% von ihnen sind deshalb leider noch immer massiver Verfolgung ausgesetzt.
Halil Savucu
„...dreimal am Tag wenden sie sich an die Sonne und beten. ihre Gebete sind nicht wie unsere, einstudiert. Jeder der will, mag er Kind, jung oder alt, Emir oder Scheich sein, stellt sich vor die Sonne und erzählt ihr das, was in diesem Augenblick sein Herz spricht. Vielleicht sind dieses die schönsten Gebete, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Vielleicht entspringen die schönsten Lieder, die schönsten Dichtungen diesen Gebeten. Vielleicht wurzeln alle Legenden und Sagen Mesopotamiens in diesen Gebeten.“
Yasar Kemal (geb. 1923)
Der berühmte kurdische Schriftsteller Yasar Kemal hat in einigen seiner Romane das Schicksal der Eziden im Zusammenhang mit der Verfolgung von armenischen und aramäischen Christen im ersten Weltkrieg thematisiert, besonders in "Die Ameiseninsel" und "Sturm der Gazellen", die in den letzten Jahren erschienen und zu diskriminierenden Angriffen türkischer Nationalisten auf Yasar Kemal führten.

