Koma Dîlan / Folklore

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Musik und Folklore aus Kurdistan

Im Juli 2003 wurde auf Wunsch vieler interessierter Kinder und Jugendlicher die kurdisch ezidische Folkloregruppe "Koma Dilan" gegründet und ist inzwischen nicht nur in Celle sehr bekannt und beliebt. Die Aktivität der Gruppe versteht sich als Kultur- und Freizeitangebot für alle an Tanz und Musik Interessierten in Celle und Umgebung, unabhängig von ihrer eigenen Tradition. Dieses Kooperationsprojekt zwischen der Plattform Ezidischer Celler (PÊC) und dem Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungn (VSE) wird deshalb auch von der Stadt Celle gefördert.

Koma Dilan wirbt mit zahlreichen Auftritten nicht nur in Celle im Medium "Kultur" für Freundschaft und Toleranz, die Gruppe ist dabei auch aktiv, die reiche und alte kurdisch-ezidische Folklore nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch weiter zu entwickeln. Denn in zeitlichen Abständen organisieren Mitglieder der Gruppe mit hinzugezogenen Fachkräften Workshops zu unterschiedlichen Themen. Dabei werden dann auch Inhalte in die Choreograühie eingebaut, die aus Themen hervorgehen, welche das aktuelle Interesse der Jugendlichen widerspiegeln. Dazu werden durch die Gruppenleiter auch die Eltern der TänzerInnen so intensiv wie möglich eingebunden.

Tanz als Medium
Der Tanz gilt als die älteste und freieste Kunstform. Im Tanz entfalten sich nicht nur Lebensfreude und Lust an der Bewegung zur Musuk. Vielmehr ermöglicht der Tanz auch eine intensive Form des menschlichen Strebens nach eigenerm Ausdruck, Selbserforschung und Kontakt mit den Mit-TänzerInnen, all dies führt zur künstlerischen Entfaltung. Die körperbezogene Sprache des Tanzes führt zu befreitem Ausdruck von Erfahrungen und Empfindungen, erweitert das Gefühl für den eigenen Körper und vervollständigt die Selbserfahrung. Die Jahrtausende alte und reiche ezidische Folklore, die Magie und Mystik der alten Rhythmen stärkt das Bewusstsein als Individuum im Kollektiv, fördert das soziale Miteinander, bildet ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit aus. 

Die tänzerische Darstellung solcher Themen wie Arbeit auf den Feldern, Widerstandskampf, Liebe und Freude, Religion, Kultur, Trauer, das Trauma der Unterdrückungs- und Verfolgungsgeschichte, werden von Koma Dilan umgesetzt. Durch die Aktivität in dieser Gruppe erfahren die jungen Menschen auf eine neue Weise das Bewusstsein von positiven wie negativen Empfindungen nicht nur im Tanzmoment, es entsteht eine therapeutische Wirkung mit Elementen von Heilung negativer, evtl. depressiver und Stärkung positiver Gefühle wie Freude und Kraft, was sich mitunter auch auf das Publikum der Gruppe auswirkt.

Die weißen Pluderhosen der Mädchen
Ezidische Mädchen und Frauen trugen trakitionell - auch als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur ezidischen Religion und als Symbol für Reinheit - in der Heimat immer nur die weißen Pulderhosen unter der Oberbekleidung. Oft wurden sie dadurch erst als Ezidinnen erkannt, von extremistischen Muslimen beleidigt, gedemütigt, als "Gottlose" beschipft und verfolgt, manchmal auch entführt und zwangsweise islamisiert. Dies führte dazu, dass Ezidinnen sich außerhalb ihrer Gemeinschaft fürchteten als Ezidinnen erkannt zu werden, und daher lebten sie sehr zurückgezogen oder krempelten die Hosen hoch, wenn sie den schützenden Bereich der Familie verlassen mussten. Hier in Deutschland geborene ezidische Mädchen kennen diese Tadition und Symbolik der weißen Pluderhosen kaum noch, die nur noch ältere Frauen tragen, und auch hier zumeist hochgekrempelt, somit für Außenstehende kaum sichtbar. Die Mädchen von Koma Dilan möchten diese alte Tradition aber bewusst wieder pflegen und damit auch dem gesamten Publikum dies gleichzeitig als ein Zeichen ihrer Sicherheit und Freiheit hier in Deutschland vermitteln.

Halil Savucu